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Schachweltmeister

Bild von Wilhelm Steinitz
Wilhelm Steinitz
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Nach seinem überwältigenden Sieg beim großen Internationalen Turnier in London 1883 betrachtete sich Johannes Hermann Zukertort als Champion of the World  und forderte Steinitz' Führungsanspruch heraus. Die Schachwelt erwartete einen Zweikampf dieser Rivalen und bekam ihn: Durch seinen 12,5:7,5-Sieg über Zukertort im Wettkampf vom 11. Januar bis zum 29. März 1886, der in New York, St. Louis und New Orleans stattfand, gilt Wilhelm Steinitz allgemein als der 1. Schachweltmeister.

Bild von Emanuel Lasker
Bild Emanuel Lasker
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Nach Steinitz' Wettkampfsieg fanden sich etliche Herausforderer, die mit ihm um die Weltmeisterschaft spielen wollten. Bis 1948 entschied allein der Weltmeister, wessen Herausforderung er annahm und wem er einen Weltmeisterschaftskampf verweigerte. Der Titelhalter bestimmte die Bedingungen und das Preisgeld fast nach Belieben.

Insbesondere während der Zeit Emanuel Laskers auf dem Weltmeisterthron wurde dies oft kritisiert, da würdige Gegner nicht oder erst nach langjährigen Verhandlungen zum Zuge kamen.

José Raúl Capablanca versuchte 1922 klare Regeln einzuführen, die von seinen potentiellen Herausforderern akzeptiert wurden. Sie bestanden aus 21 Paragraphen, die im Dezember 1923 im American Chess Bulletin abgedruckt wurden.
Die Hauptpunkte waren:
Bild von José Raúl Capablanca y Graupera
Bild José Raúl Capablanca y Graupera
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  1. Der Titelhalter muss seinen Titel innerhalb eines Jahres verteidigen, wenn er von einem anerkannten Meister herausgefordert wird, sofern dieser einen Preisfonds von mindestens 10.000 Dollar garantiert und 500 Dollar vorab als Sicherheit hinterlegt. Der Weltmeister hat aber das Recht, das genaue Datum für den Beginn des Wettkampfes festzulegen.
  2. Vom Preisgeld gehen 20 Prozent an den Titelhalter, der Rest wird im Verhältnis 60:40 zwischen Gewinner und Verlierer des Wettkampfes verteilt.
  3. Der Wettkampf geht auf sechs Gewinnpartien, Remis zählen nicht. Die Bedenkzeit ist 150 Minuten für 40 Züge. Nach fünf Stunden Spielzeit gibt es eine Hängepartie.
Bild von Alexander Alexandrowitsch Aljechin
Bild Alexander Alexandrowitsch Aljechin
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Der Nachfolger Capablancas als Weltmeister, Alexander Aljechin, hielt sich zwar formal an diese Regeln, einem Rückkampf mit Capablanca ging er aber dadurch aus dem Weg, dass er die Herausforderungen anderer Spieler stets bevorzugt berücksichtigte.

Durch den Tod Alexander Aljechins 1946 wurde der Weg frei für die Ausrichtung der Weltmeisterschaftskämpfe durch den Weltschachverband. Der von der FIDE gekürte und als solcher auch allgemein anerkannte Weltmeister  wurde im Weltmeisterschaftsturnier 1948 ermittelt, das Michail Botwinnik für sich entscheiden konnte.
An dem Turnier, veranstaltet vom 1. März bis zum 18. Mai 1948 in Den Haag und Moskau, nahmen neben Michail Botwinnik Paul Keres, Wassili Smyslow, Samuel Reshevsky und Ex-Weltmeister Max Euwe teil.

Bis 1993 wurde die Weltmeisterschaft nun vom Weltschachbund FIDE ausgerichtet. Der jeweilige Herausforderer des Weltmeisters wurde durch ein mehrstufiges Qualifikationssystem (regionale Zonenturniere, Interzonenturnier und Kandidatenturnier) ermittelt.

Nachdem Kasparow 1993 nicht mehr bereit war, seinen Titel zu den Bedingungen der FIDE zu verteidigen, stellte sich der vor 1948 übliche Zustand wieder ein. Kasparow verteidigte seinen Titel nach seinen eigenen Bedingungen. 2000 verlor er ihn an Wladimir Kramnik.
Parallel hierzu veranstaltete die FIDE eine offizielle Weltmeisterschaft, deren Gewinner aber nicht allgemein als weltbeste Spieler anerkannt werden.

Bild von Wladimir Borissowitsch Kramnik
Bild Wladimir Borissowitsch Kramnik
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Ein Versuch, die beiden Weltmeistertitel wieder zu vereinigen, war die von dem amerikanischen Großmeister Yasser Seirawan initiierte Prager Abmachung, welche am 6. Mai 2002 von Garri Kasparow, Wladimir Kramnik und Kirsan Iljumschinow, dem Präsidenten der FIDE, unterzeichnet wurde. Diese scheiterte jedoch, da geplante Qualifikationswettkämpfe nicht zustande kamen. Erst 2006 kam es zu einem Vereinigungswettkampf.
Vom 23. September bis zum 13. Oktober fand in Elista der Wettkampf zwischen Wesselin Topalow  und Wladimir Kramnik statt, der die Zweiteilung der Schachweltmeisterschaft beendete. Zum ersten Mal entschied bei einer klassischen Schachweltmeisterschaft der Tiebreak über den Sieger. Kramnik gewann und war nun alleiniger Weltmeister.

Bild von Viswanathan Anand
Bild Viswanathan Anand
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Kramnik musste – so schrieben es die FIDE-Regularien vor – in einem Rundenturnier mit acht Teilnehmern den nun alleinigen WM-Titel verteidigen. Die sieben noch offenen Startplätze wurden durch ein Qualifikationsturnier sowie anhand der Platzierung in der FIDE-Weltrangliste zum damaligen Zeitpunkt vergeben. Sieger wurde Viswanathan Anand, der ungeschlagen und mit einem Punkt Vorsprung auf Kramnik neuer Weltmeister wurde. Er ist der erste asiatische Schachweltmeister.

Anand verteidigte seinen WM-Titel vom 14. bis 29. Oktober 2008 in Bonn in einem Wettkampf über 12 Partien gegen Kramnik, sowie vom 24. April bis 11. Mai 2010 in Sofia gegen Wesselin Topalow.

Von der Mehrheit der Schachwelt anerkannte Weltmeister

Name Zeitraum Land
Wilhelm Steinitz 1886–1894 Österreich-Ungarn/USA
Emanuel Lasker 1894–1921 Deutschland
José Raúl Capablanca 1921–1927 Kuba
Alexander Aljechin 1927–1935
Russland/Frankreich
Max Euwe 1935–1937 Niederlande
Alexander Aljechin 1937–1946Russland/Frankreich
kein Weltmeister 1946–1948 --
Michail Botwinnik 1948–1957
UdSSR
Wassili Smyslow 1957–1958 UdSSR
Michail Botwinnik 1958–1960UdSSR
Michail Tal 1960–1961 UdSSR
Michail Botwinnik 1961–1963UdSSR
Tigran Petrosjan 1963–1969 UdSSR
Boris Spasski 1969–1972 UdSSR
Bobby Fischer 1972–1975 USA
Anatoli Karpow 1975–1985 UdSSR
Garri Kasparow 1985–2000 UdSSR/Russland
Wladimir Kramnik 2000–2007 Russland
Viswanathan Anand seit 2007 Indien

FIDE Weltmeister

Nachdem die FIDE 1993 den amtierenden Weltmeister Kasparow und seinen ermittelten Herausforderer Short disqualifiziert hatte, wurde zeitgleich mit dem PCA-Weltmeisterschaftskampf eine FIDE-Weltmeisterschaft durchgeführt. Dies war der Beginn einer bis 2006 dauernden Spaltung des Weltmeistertitels. Die FIDE veranstaltete in den Jahren 1996, 1997-1998, 1999, 2000, 2001-2002, 2004 und 2005 weitere Turniere mit dem Titel Weltmeisterschaft. Der 1998 eingeführte Knockout-Modus stieß bei vielen Spielern und in der Schachwelt nicht auf ungeteilte Zustimmung und kam 2004 das letzte Mal zur Anwendung. Die Bestrebungen, die konkurrierenden Titel zu vereinigen, wurden 2006 zum Erfolg geführt.

Name Zeitraum Land
(1) Efim Bogoljubow 1928–1929 UdSSR/Deutschland
identisch zu obiger Liste 1948–1993 --
Anatoli Karpow 1993–1999 Russland
Alexander Chalifman 1999–2000 Russland
Viswanathan Anand 2000–2002 Indien
Ruslan Ponomarjow 2002–2004 Ukraine
Rustam Kasimjanov 2004–2005 Usbekistan
Wesselin Topalow 2005–2006 Bulgarien
identisch zu obiger Liste seit 2006 --

(1) 1928 richtete die FIDE ihr erstes „offizielles“ Championat aus: einen Wettkampf zwischen Efim Bogoljubow und Max Euwe, 1929 nochmals zwischen den beiden gleichen Gegnern. Beide Male gewann Bogoljubow mit Ergebnis 5,5:4,5. Auf dem 5. Kongress der FIDE, 1928 in Amsterdam, an dem der Weltmeister Alexander Aljechin gleichfalls teilnahm, wurde Bogoljubow der Titel Champion der FIDE verliehen. Allerdings wurde die Bezeichnung World Champion vermieden, weshalb Bogoljubow üblicherweise nicht als Schachweltmeister eingereiht wird.

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