Computerschach
Computerschach bzw.
Rechnerschach bezeichnet das Spielen von Schach gegen einen Computer, das Spielen von Computern untereinander, die
Entwicklung von schachspielenden Maschinen (Schachcomputer), sowie die Entwicklung von Schachprogrammen.
Seitdem es mechanische Rechenmaschinen gibt, hat man auch Schachcomputer gebaut.
Bekannt ist zum Beispiel der Schachspielende Türke, ein Schachautomat, in
dem sich allerdings ein Mensch versteckte und agierte. Konrad Zuse lernte extra Schach, um ein
Schachprogramm schreiben zu können, da er dies als die richtige Herausforderung
für seine Computer und das Plankalkül betrachtete. Mit der Entwicklung
immer schnellerer Computer und ausgefeilter Software gibt es heute auf einem PC laufende Schachprogramme, die dem
Durchschnittsspieler weit überlegen sind. Inzwischen kann man Schach auch auf Mobiltelefon, PDA und sonstigen Handhelds
spielen.
Die speziell entwickelte Schachmaschine Deep Blue von IBM schlug 1997
in einem Wettkampf über sechs Partien mit Turnierbedenkzeit sogar den
damaligen Schachweltmeister Kasparow. Inzwischen trainieren viele
Großmeister mit Hilfe von Computern spezielles Anticomputerschach. Es
zeichnet sich allerdings ab, dass der Mensch langfristig gegen die
stetig anwachsende Rechenkraft der Computer nicht bestehen kann. Da das
Schachspiel in der westlichen Welt eine tiefe kulturelle Bedeutung
erlangt hat und das Beherrschen des Spiels mit Fantasie und Intelligenz
assoziiert wird, hat der Siegeszug des Computers in dieser Sportart
eine spürbare psychologische Wirkung.
Offen bleibt, ob die Schachprogramme, deren Spielstärke ständig steigt, das
Schachspiel in absehbarer Zeit uninteressant machen werden. Die Zahl der
Fachleute, die den baldigen endgültigen Sieg der Programme über jeden
menschlichen Spieler voraussagen, wächst ständig. Allerdings gibt es auch
Stimmen, die behaupten, die Spitzenspieler würden in gleichem Maße besser wie
die Computerprogramme. Andere argumentieren, dass selbst bei unbesiegbaren
Computerprogrammen das Schachspiel nicht uninteressant würde − schließlich
würden sich Menschen auch noch im Sprint oder Marathonlauf messen, obwohl jedes
motorisierte Gefährt schneller sei.
Strategisch muss ein Mensch gegen einen Computer mit langfristig angelegten
Manövern operieren, deren Ansatz für den Computer im Rahmen seiner Rechentiefe
zunächst nicht erkennbar ist. Kramnik hatte gegen Deep Fritz
z. B. Erfolg mit einem langfristig
angelegten möglichen Durchmarsch eines Freibauern, der – zunächst noch nicht
weit gezogen – von Deep Fritz erst zu spät als ernste Bedrohung erkannt
wurde.
Eine Niederlage kam durch einen groben taktischen Fehler
zustande, die zweite Niederlage durch ein inkorrektes Figurenopfer, das der
Computer durch exakte Berechnung widerlegte.
Somit bestraft der Computer kombinatorische Strategien und erzwingt eine
positionelle Spielanlage.
Schachprogramme
Im engeren Sinne wird unter dem Schachprogramm nur die so genannte
Engine
für die Berechnung der Züge verstanden. Ein Schach-Frontend übernimmt
dann deren Darstellung und die Benutzerinteraktion. Für die
Kommunikation zwischen Schachengine und Frontend gibt es zwei weit
verbreitete offene Schach-Kommunikationsprotokolle. Einmal das
XBoard-Protokoll und das neuere Universal Chess Interface (UCI). Die
Stellungen und Partien werden in proprietären Formaten oder auch im
offenen PGN-Format gespeichert.
Als eines der bekanntesten kostenlos erhältlichen Schachprogramme gilt das Open-Source-Projekt
Crafty von Robert Hyatt. Ein weiteres
spielstarkes Schachprogramm ist
Fruit, das bei der Weltmeisterschaft im
Computerschach 2005 den zweiten Platz belegte. Das Programm
Zappa, das die
Weltmeisterschaft 2005 überlegen gewinnen konnte, steht lediglich als Freeware im Internet zur Verfügung, wie
auch das wohl zur Zeit stärkste kostenlos erhältliche Schachprogramm
Spike von Volker Böhm und Ralf Schäfer. Für Anfänger bietet sich eine
skalierbare Engine an, die man in der Elo-Stärke begrenzen kann wie
Ufim.
Zur komfortablen Bedienung wird noch eine als Schach-Frontend bezeichnete Benutzeroberfläche
benötigt. Hierzu kann beispielsweise das Programm
XBoard genutzt werden. Es läuft unter den
Betriebssystemen Windows (unter dem
Namen
WinBoard), Unix/Linux und Amiga und wird zusammen mit
GNU Chess
ausgeliefert. Auch das ebenfalls unter der GPL veröffentlichte
José, ein
graphisches java-basierendes Schach-Frontend
mit Datenbankfunktionen, ist sehr gut. Das Schach-Frontend von KDE ist
Knights.
Eine weitere beliebte Benutzeroberfläche unter Windows für mehr als 250
Schachprogramme ist
Arena, die als Freeware verfügbar ist. Es gibt auch weitere Freeware
die sich für den Einsteiger hervorragend eignet, so beispielsweise
Arasan.
Ambitionierte Spieler greifen oft zu kommerziellen Programmen, die neben dem
reinen Schachspiel auch viele Zusatzmöglichkeiten bieten, wie beispielsweise
Partieanalyse und Schachtraining. Sehr bekannt dürften die Programme
Shredder und
Fritz sein. Diese
Programme werden unter anderem von der Hamburger Firma
ChessBase vertrieben, die den (europäischen) Markt
für professionelle Schachsoftware zunehmend beherrscht. Seit 2005 schreibt das
Programm
Rybka Schlagzeilen in
Fachzeitschriften und Computerforen. Rybka hat ausgeprägte Fertigkeiten auf
positionellem beziehungsweise schachstrategischem Terrain und ist
damit der menschlichen Spielweise näher gekommen als die übrigen
Schachprogramme. Rybka führt auch die wichtigsten Computerschach-Ranglisten
deutlich an (mit 50-150 Punkten Vorsprung) und Top-GM wie Anand, Topalov oder
Morozevich nutzen überwiegend Rybka zur Analyse.